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  • mo0457

Der Tod, Dein Freund!

Updated: Apr 9



Es gibt ein Thema welches uns alle betrifft und dennoch von vielen Menschen ignoriert wird. Ich spreche hier vom Tod. Gerade in unserer westlich geprägten Welt, passiert es immer wieder dass Menschen, sobald sie mit dem Tod konfrontiert werden total geschockt sind. Es scheint fast so als wenn das Thema Tod gar nicht existiert…bis es unser Haustier, unsere Freunde und Familie trifft. Dann werden wir uns einen kurzen Augenblick, wenn überhaupt, unserer eigenen Sterblichkeit bewusst. Leider machen wir dann oft den Fehler und drücken dieses Gefühl von:" Ich werde auch sterben." als bald wieder weg und widmen uns unserem Alltag bis der Tod wieder nur eine dunkle Wolke ist, die ganz weit weg zu sein scheint. Blöd ist nur, dass uns diese Wolke, je älter wir werden immer häufiger wieder einholt, da sich mit zunehmendem Alter die Sterblichkeit bekanntlich erhöht. Was würde denn passieren, wenn wir jeden Trauerfall als eine Art Prüfung für uns selbst sehen würden? Hast Du Dir vielleicht schon einmal die Frage gestellt, was Du unbedingt noch machen wollen würdest, wenn Du wüsstest dass Dein Leben morgen vorbei ist?



Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich kurz vor meiner Vordiplomsprüfung im Fach Volkswirtschaftslehre war, die Zeit empfand ich als relativ schwierig, weil ich trotz hohen Lernaufwandes, nur mäßige Erfolge in meinen Klausuren erreichte. Dies frustrierte mich natürlich, besonders wenn Kollegen mit gleichem oder sogar weniger Aufwand viel bessere Noten schrieben. Dies setzte bei mir natürlich keine guten Gefühle frei. Ich stellte mir oft die Frage warum ich mich mit VWL so abquälen muss…meine Standard Antwort darauf war immer dieselbe…wenn Du ein Wirtschaftsdiplom hast findest Du immer einen Job. Tja diese Antwort war für mich irgendwie nicht wirklich motivierend, da sie nur aus einer latenten Angst vor finanzieller Abhängigkeit kam, die ich als Kind oft kennengelernt hatte. Ihr fragt Euch sicherlich was dies mit dem Thema Tod zu tun haben soll richtig?



Nun in dieser Zeit habe ich mir tatsächlich folgende Frage gestellt: "Wenn ich heute von einem LKW überrollt werden würde, was wären die Dinge die ich bereut hätte bzw. die Dinge die ich gerne noch getan hätte?" Ratet mal was mit Nummer 1 auf meiner Liste war? Als Liebhaber asiatischer Kampfkünste und asiatischer Philosophie, wollte ich schon immer Japanisch oder Chinesisch lernen. Letztendlich hat diese Frage dazu geführt, dass ich mein VWL Studium nach dem Vordiplom beendet habe und die Studienrichtung geändert hatte. Ich hatte begonnen Sinologie zu studieren. Hier habe ich dann tatsächlich die chinesische Sprache lernen können und außerdem als einer der ersten in meinem Jahrgang das Studium erfolgreich beendet.

Mein Beispiel scheint natürlich weit weg von der wirklichen Konfrontation mit dem Tod zu sein…da gebe ich Dir recht. Es ist natürlich etwas anderes, wenn man jemand stirbt und man sich dieser Situation stellen muss. Aber was bedeutet denn eigentlich tot? Wann ist jemand tot? Aus medizinischer Sicht kann man argumentieren, dass man tot ist sobald man nicht mehr atmet und infolge dessen alle Organe aufhören zu funktionieren. Aber hast Du mal darüber nachgedacht, dass wir also auch Du, jeden Tag sterben? Unsere Körperzellen sterben alle in einem bestimmten Zeitraum und werden durch neue ersetzt. Meiner Meinung nach bestehen wir alle aus manifestierter Energie, die sobald unser Körper stirbt in Ihren Ursprung zurückgeht. Vor einiger Zeit musste ich eine Rede auf einer Beerdigung halten und ich habe den Menschen folgendes erzählt:



"…Ich selbst denke, dass niemand wirklich stirbt und dass man deshalb auch keine Angst vor dem Tod haben sollte. Ich sehe das Leben eher so wie eine Taiji Form: Wir beginnen aus dem Formlosen und führen verschiedene Bewegungen aus um abschließend wieder in das Formlose überzugehen. Bevor wir geboren werden sind wir potentielle Energie, sobald wir empfangen werden sind wir manifestierte Energie…sterben wir gehen wir wieder in das potentielle Energiefeld über um sich wieder zu manifestieren. Für das Universum ist ein Leben wie ein Tropfen Wasser der sich aus dem Meer löst…für einen kurzen Moment steigt der Tropfen und erhält seine Form bis er wieder in das Meer fällt und mit ihm verbunden ist…formlos wird. Deswegen ist mein Freund für mich auch nicht wirklich tot…sein Körper hat uns verlassen, aber da er jetzt potentielle Energie ist, kann er überall sein. Er kann nun sowohl der Wind sein, der durch die Bäume weht, als auch der Regen, der beruhigend in der Nacht an unser Fenster trommelt."



Diese Art des Umgangs mit dem Tod hat etwas daoistisches und erleichtert es mir mit Verlusten umzugehen. Dies bedeutet nicht, dass ich nicht trauere, diese Erfahrung bleibt niemanden erspart. Vielmehr zeigt mir der Tod was mir im Leben wichtig ist und welche Ziele ich noch erreichen will. Wenn der Tod präsent ist werden so z.B. manche Streitigkeiten total lächerlich. Thich Nat Than hat mal gesagt, dass man sich die Person mit der man sich streitet in 300 Jahren vorstellen soll, um sich der Nichtigkeit dieses Konfliktes klar zu werden…er hat Recht. Was ist denn mit der Person in 300 Jahren? Ja, sie ist tot! Und war es das Thema im Nachhinein wert, sich so zu streiten? Der Tod zeigt Dir auch, dass Deine Zeit hier auf Erden begrenzt ist und Du Dich entscheiden kannst ob Du Deine Zeit aufwendest für Dinge, die Dich glücklich machen oder ob Du Deine Zeit verschwendest für Dinge, die man halt macht obwohl man eigentlich was ga


nz anderes machen will. Dies soll jetzt nicht bedeuten, dass man ausschließlich Dinge macht die einen glücklich machen…der verdammte Geschirrspüler muss ausgeräumt werden und die Steuererklärung muss auch gemacht werden. Allerdings sorgt das Ergebnis dieser Tätigkeiten dafür, dass ich glücklich bin. Ist der Geschirrspüler ausgeräumt und die Küche sauber, strahlt mich meine Frau an und das macht mich glücklich….ok bei der Steuererklärung kann man streiten…letztendlich bin ich aber glücklich, weil ich sie endlich gemacht habe und mich jetzt anderen Dingen widmen kann. Es geht um die Frage, was Du wirklich mit Deinem Leben anfangen willst? Hast Du einen Traum und lebst ihn nicht? Wieso? Bevor ich Sinologie studiert habe, habe ich immer gesagt:" Wenn ich reich bin studiere ich Sinologie bzw. lerne ich Chinesisch!" Als ich dies einem Sinologie Professor vor dem Beginn des Studiums erzählt hatte, grinste er und fragte:" Sind Sie jetzt reich?" Nö, aber ich wusste jetzt was ich wollte…Zeit aufwenden und nicht verschwenden!



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